Vorwort des Bezirkstagspräsidenten von Schwaben

Das Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren blickt auf eine mehr alsJürgen Reichert, Bezirkstagspräsident 125-jährige Tradition zurück. In seiner Entwicklung spiegelt sich auch die wechselvolle Geschichte der deutschen Psychiatrie wieder.

Von Kaufbeuren gingen unter einer Vielzahl seiner früheren Direktoren – genannt seien hier unter anderem die Namen Dr. Hagen, Dr. Kiderle oder auch Dr. Salm – positive Impulse für die Psychiatrie aus. Kaufbeuren und Irsee sind aber auch verbunden mit dem wohl dunkelsten Kapitel der deutschen Medizingeschichte, der Euthanasie während des Nationalsozialismus. Eine Zeit, in der das Vorurteil gegenüber psychisch Kranken seine schrecklichste Form annahm: Vom Urteil über die Stigmatisierung bis hin zur Diskriminierung mit tödlichen Folgen.

Heute steht der Name Kaufbeuren jedoch als Synonym für eine moderne, humane Psychiatrie. Beispielhaft wurde hier Psychiatriepolitik betrieben im Sinne der Psychiatrie-Enquête :

So wurden in den vergangenen 20 Jahren die infrastrukturellen Behandlungsbedingungen wesentlich verbessert, wurde qualifiziertes Personal eingestellt, wurden die Langzeitbereiche abgeschafft, wurde enthospitalisiert und mit der Gründung der Bezirkskrankenhäuser Kempten, Memmingen, Augsburg sowie der Tagklinik Lindau wesentlich dezentralisiert.Es ist eindrucksvoll gelungen, die dunkle Vergangenheit zu überwinden. Vergessen sollten wir bei allem Erreichten nicht, dass für eine Gleichstellung psychisch Kranker in der Medizin und für den Abbau von Vorurteilen und Stigmatisierung noch viel getan werden muss.

Jürgen Reichert, Bezirkstagspräsident und Verwaltungsratsvorsitzender des Kommunalunternehmens Bezirkskliniken Schwaben